Liebst Du Dich?

Durch die Liebe zu einem Alkoholiker und meine daraus resultierende Co - Abhängigkeit, wurde ich extrem schmerzhaft in die Knie gezwungen. Ich erkannte irgendwann, daß ich wieder aufstehen, eine Entscheidung treffen, und etwas Grundlegendes zu verändern hatte. Ich begriff, daß die Veränderung bei mir beginnen mußte, und daß ich der herausfordernden Aufgabe entgegensah, endlich eine gute Beziehung mit mir zu führen. Ich stellte mich meinen Ängsten, sah hin, und begann, meinen „Schatten“, wie es C.G. Jung nennt anzunehmen. Den Teil in uns, der unsere inkompatiblen Gefühle, verdrängten Erfahrungen, und all das beherbergt, das wir nicht wahrhaben, nicht zulassen, oder nicht sein wollen.


Es hieß für mich… gehen Sie zurück auf Los!

Was beinahe alle co - abhängigen Frauen, die mich kontaktieren, noch mehr fürchten als ihr reales Unglück, ist die Trennung von ihrem alkoholkranken Partner. Sie schicken das Fortführen ihrer Beziehung, unabhängig davon, wie unglücklich und kräftezehrend diese ist, als Bedingung voraus. Doch das ist, als würde man ein Pferd von hinten aufzäumen. Es ist, als würde man an einer Strategie arbeiten, bevor man das Ziel kennt, als wollte man ernten, bevor man gesäht hat, als weigere man sich, ohne eine Garantie für einen schönen Abend, morgens aufzustehen, um zu versuchen das beste aus dem Tag zu machen. Das Ziel um das es geht, ist ein ganz anderes, als die Beziehung zu retten. Es geht darum, daß jeder rettet, wen er tatsächlich retten kann ( muß ): sich selber.


Es heißt ganz zu werden, sein authentische selbst ( wieder ) zu finden, sich selber lieben und vertrauen zu lernen, und zu heilen.


Erst wenn wir bei uns angekommen sind, uns unseren Dämonen gestellt, unsere Ängste aufgelöst, und selbstsabotierende Strategien durchbrochen haben, können wir selbstbewußt und stark, aus unserem "Erwachsenen - Ich" heraus Entscheidungen für unser Leben treffen, beispielsweise, ob wir eine Beziehung tatsächlich weiterführen möchten, oder nicht. Solange wir emotional leer, oder sogar abhängig sind, uns ängstlich und verunsichert fühlen, werden wir nur schwer einen selbstwirksamen Blickwinkel einnehmen können, und im Zweifel nur an etwas oder jemandem festhalten, weil uns die Angst vor Veränderung ( scheinbar ) keine andere Wahl läßt.


Der eine ist abhängig vom Alkohol, und der andere vom Alkoholiker. Es ist, als ob sich zwei gegenseitig in die leere Tasche greifen.


Erst wenn, beide bei sich angekommen sind, jeder für sich auf einem festen Fundament aus Selbstwert, Selbstliebe und Vertrauen steht, existiert überhaupt die Basis für eine gesunde erfüllende Beziehung ohne Abhängigkeit.


Je näher wir bei uns sind, umso seltener wir der Angst, sondern der Liebe folgen, umso besser können wir unsere wahren Bedürfnisse wahrnehmen, und Kompensation und Projektion als Schall und Rauch entlarven.


Das Suchtsystem zu durchbrechen ist eine Entscheidung, die bei Dir beginnt. Sie muß nicht automatisch bedeuten, daß Du dich gleichzeitig GEGEN Deinen Partner entscheidest, sondern erst einmal FÜR Dich.


Und eines ist gewiss: bleibst Du stehen wo Du bist, wird sich nichts wie durch Zauberei von alleine zum Guten wenden.


Alkoholismus kann man nicht aussitzen!


Erst wenn sich ein Teil des Systems bewegt, wird sich zwangsläufig das ganze System verändern. Ob der Alkoholkranke sich dann auch auf seinen Weg macht, kann niemand vorhersagen. Aber es gibt keine andere Option, nicht gemeinsam im Strudel der Sucht unterzugehen, und sich bestenfalls an einer der kommenden Weggabelungen wieder zu treffen. Doch dieses Mal auf Augenhöhe, und mit der Chance, eine wirklich erfüllende Beziehung zu führen, die nicht von Alkohol, Angst, Manipulation, Scham, und Isolation dominiert wird. All das ist ein Prozeß, dessen Ausgang nicht vorhersehbar ist. Aber er beginnt bei Dir! Es geht darum wieder authentisch und ehrlich zu sich selber zu sein, denn ganz genau hier liegt eine ungeheure Kraft! Ab diesem Moment traut man sich wieder ( richtige & wichtige ) Entscheidungen zu treffen, unabhängig davon, ob sie allen anderen gefallen, was bewirkt, dass sich die Spreu vom Weizen trennt… in allen Lebensbereichen... wie von alleine... als logische Konsequenz.


Es gibt einen Menschen, der die Qualität Deines Lebens mit einer Frage verändern kann, und das bist Du! Die Frage lautet: worauf richtest Du Deinen Fokus?

Wenn Du Dir einmal bewusst machst, dass das, worauf Du Deinen Fokus richtest nicht nur Raum gewinnt, sondern auch automatisch Gefühle produziert, möchtest Du ihn dann die meiste Zeit Deines Lebens auf all das konzentrieren, was noch fehlt, auf das, was Du NICHT kontrollieren kannst, und auf Deine vermeintlichen Schwächen, und Horroszenarien, die lediglich in deinem Kopf existieren? Was glaubst Du, welche Emotionen damit einhergehen ( müssen )? Gehst Du davon aus, dass Du Dich bestärkt, gut, oder sogar glücklich fühlen kannst? Oder ist ziemlich sicher mit Gefühlen wie Frust, Angst, Unsicherheit, Wut, oder Ohnmacht zu rechnen? Ich bin sicher, Du kennst die Antwort.

Und was glaubst Du passiert, wenn Du Deinen Fokus auf das richtest, was bereits da ist, was Du tatsächlich kontrollieren kannst, auf Deine Stärken, und all das, wofür Du dankbar sein kannst, und Di gleichzeitig entscheidest, welche Bedeutung Du den Ereignissen geben möchtest.


Ist das Ende einer unglücklichen, unerfüllten Beziehung das Ende, oder der Anfang Deines Glücks? Betrachtest Du herausfordernde Aufgaben als Strafe und Ungerechtigkeit, oder als Chance zu wachsen?


Richtest Du den Fokus auf das, was Du verlierst, und glorifizierst es, damit es Dir richtig schlecht geht, oder richtest Du den Fokus auf das, was Du nun gewinnen kannst? Es ist eine extrem kraftvolle Entscheidung, die Du für Dich triffst. Jeden Tag.


Ich dachte, wie so viele co - abhängige Frauen, mit denen ich heute spreche auch, ich würde nie wieder von meinem Sofa aufstehen. Ich hielt das Tal der Tränen tatsächlich für die Endstation.


Ich sah keinen Ausweg, war scheinbar gefangen in dem Suchtsystem mit einem alkoholkranken Partner, fühlte mich ausgebrannt, leer, traurig, ratlos, und erschöpft. Je schlimmer sich alles entwickelte, desto verzweifelter klammerte ich mich an meine Wunschvorstellung von uns, in der er irgendwann keine Rückfälle mehr hätte. Ich war mir absolut sicher, nie wieder lachen und schon gar nicht lieben zu können.


Doch zum Glück habe ich mich geirrt.


Eines Tages wuchs der Wunsch in mir, wieder die Verantwortung für mein Leben und mein Glück zu übernehmen. Ich wollte nicht mehr warten, leiden, absehbar enttäuscht werden, die unendlich kostbare Gegenwart einer Zukunft opfern, von der ich nicht einmal wußte, on sie jemals reale Gegenwart werden würde. Ich war bereit, alle dafür notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Ich schaffte es, einen neuen Blickwinkel einzunehmen, der mir half, die lähmenden Ohnmachtsgefühle der Hilflosigkeit abzulegen.


Denn ich verstand plötzlich, dass vermeintlich falsche Abzweigungen letztendlich doch zum

( neuen / anderen ) Ziel führen können.


Ich begriff, dass düstere Kapitel großartige Geschichten, und zerplatzte Träume, erfolgreiche und glückliche Menschen hervorbringen können.


Ich akzeptierte, dass wir nicht immer wählen können, welche Erfahrungen wir machen, aber dass es an uns liegt, wie wir mit ihnen umgehen. Ich erkannte die ungeheure Kraft des Loslassens, und verstand, dass sich selber zu verlieren, bewirken kann, sich selber zu finden.


Alles was Du tolerierst gewinnt Raum in Deinem Leben.


Als ich damit aufhörte, Menschen, Umstände, oder Verhaltensweisen zu tolerieren, die mir nicht gut taten, die weder meiner Wahrheit, noch meinen Werten entsprachen, als ich damit aufhörte, es hinzunehmen, dass Worten keine Taten folgten, und ich die wohlbekannten, aber dennoch toxischen Manipulationen aus seinem Umfeld nicht länger dulden wollte, schuf ich automatisch Raum, in dem anstelle des Mangels und der „bad vibes“, Fülle treten konnte. Ich traf Entscheidungen, ließ los und zog Grenzen, und langsam kam eines zum anderen... genau wie zuvor, doch dieses Mal fühlte es sich gut und richtig an. Ich bekam wieder eine Perspektive, und begann im Zuge dessen meine Coaching Ausbildung in Zürich, die eine riesengroße Bereicherung gewesen ist, genau wie die wundervollen, inspirierenden Menschen, die ich auf dieser „Reise“ kennenlernen durfte. Unser zu Hause ist heute wieder ein Ort mit klarer Luft, an dem man sich wohl und geborgen fühlen kann. Ich verbringe meine Zeit mit den, für mich wirklich wichtigen Menschen in meinem Leben, anstatt mich weiterhin von der Problemtrance derer runterziehen zu lassen, denen ich zu unbedacht die Hand gereicht habe.




Wir neigen dazu die dunklen Seiten unseres Lebens, und unserer Vergangenheit zu verdrängen und zu verfluchen, doch das klappt nicht, da wir nur ändern und heilen können, was wir annehmen. Ich fühle mich heute, kurz nach der schlimmsten Zeit meines Lebens so ausgeglichen und zufrieden wie nie. Ich habe losgelassen, reflektiert, verziehen, und begriffen, daß man nicht zu dem Mensch werden kann, der man ist, ohne gute wie schlechte Erfahrungen zu machen. Sie sind Teil unseres Weges, gehören zum Prozeß und lassen uns wachsen. Es geht nicht darum, daß das Leben uns immer eine ruhige See beschert, sondern daß wir lernen, die Segel richtig zu setzen.


„Vereinfacht gesagt glaubst Du daran, dass Dinge oder Menschen Dich unglücklich machen, aber das ist nicht richtig. Du selbst machst Dich unglücklich.“

Dr. Wayne Dyer



Byebye Co - Abhängigkeit!

Alles Liebe,

Julia



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