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Julia Maria Kessler

Ich lebte in einer Beziehung mit einem Alkoholiker und führte in den letzten Jahren tausende Gespräche mit Angehörigen, Partnern und Freunden suchtkranker Menschen. Was sie alle, trotz ihrer individuellen Situationen gemeinsam haben ist, dass das was Sucht aus den betroffenen Menschen macht, in den Grundzügen der Beziehungs-Dynamik und der Verhaltensmuster immer sehr ähnlich abläuft.

Leider bewirken Angehörige in ihrer Absicht zu helfen meist genau das Gegenteil, und verstricken sich häufig unwissentlich in coabhängigen Denk- und Verhaltensweisen, was zu enormen Leidensdruck führen kann.Aus meiner beruflichen Erfahrung als Leitung einer Selbsthilfegruppe Gruppe beim Blauen Kreuz, und meiner Arbeit in der 1:1 Beratung weiß ich, dass es Jahre dauern kann, bis sich Angehörige endlich selber Unterstützung suchen. Zudem ist es für Partner, Verwandte, oder Freunde von Suchtkranken leider auch oft schwer Hilfe zu bekommen, die auch eine Hilfe ist.

 

Auch ich fühlte mich ratlos, mit meiner schwierigen Situation alleine und funktionierte viel zu lange in einem System, das auch mich krank machte. Der Gedanke ohne nachhaltigen Erfolg gefühlt schon alles versucht zu haben, löste bei mir, wie bei vielen Angehörigen eine immer größer werdende Ohnmacht aus. In Konsequenz werden co-abhängige Denk- und Verhaltensweisen leider lange nicht hinterfragt, sondern immer weiter „perfektioniert“, wodurch ein Teufelskreis entsteht, der sich selber erhält.

 

Denn, um es mit Albert Einsteins Worten zu sagen: „man kann Probleme nicht auf dieselbe Weise lösen, wie sie entstanden sind.“

 

Um diesen Teufelskreis also durchbrechen zu können, ist es unendlich wichtig das Suchtverhalten wirklich zu durchschauen, und zu verstehen, worauf es abziehlt. Erst dann wird es möglich, die alte Dynamik zu durchbrechen und selber in eine neue klare Haltung zu finden, in der neue Perspektiven selbstwirksame Handlungsräume öffnen und man immun gegen Manipulation werden kann.

 

Heute begleite ich Angehörige in dem Prozess sich aus co-abhängiger Verstrickung zu lösen. Worum es dabei geht? Neue Verhaltensweisen zu etablieren, die Verantwortlichkeiten richtig zuzuordnen und zu lernen Grenzen zu setzen, um wieder in die eigene Kraft zu kommen, den Selbstwert zu stärken und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, und zwar unabhängig von der Einsicht des Suchtkranken.

Mein Weg

Als ich in meiner Beziehung zu einem alkoholabhängigen Mann meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht hatte, kam der Wendepunkt, als ich am wenigsten damit gerechnet hatte. Die Sucht hatte sehr fatale Folgen angenommen und warf ihre Schatten inzwischen auf alle Lebensbereiche. Ich hatte Migräne-Attacken, sehr schlimmen Haarausfall, dunkle Augenringe und ich war ein Schatten meiner selbst. Es war mir kaum noch möglich mich auf irgendetwas zu konzentrieren, da sich alles nur noch um die Sucht drehte, und das „Funktionieren“ funktionierte nicht mehr. 

 

Immer noch von der Absicht gesteuert, meinem alkokolabhängigen Partner zu helfen und ihn zur Einsicht zu bewegen, kontaktierte ich eines nachmittags Rolf Bollmann. Ich stieß bei Youtube über den Kurzfilm „Ein Glas Wasser“ auf ihn. Er begleitete als trockener Alkoholiker andere Betroffene auf ihrem Weg zur Abstinenz. Doch anstatt mir zu sagen, wie ich meinen Partner retten konnte, sagte er mir etwas anderes:

„Der einzige Mensch, um den sich Julia jetzt kümmern muß, ist Julia.“

Er war es, der mir in diesem Gespräch ein Stück weit die Augen öffnete und mir klar machte, dass das Konzept Co-Abhängigkeit existierte und ich davon betroffen war, ohne mir dessen bewußt zu sein. Ich sah mich in der Rolle der „Helfenden“ weit davon entfernt, selber Hilfe zu benötigen, ungeachtet der Tatsache, wie desaströs mein Zustand mittlerweile geworden war. Aber in diesem Gespräch begann ich langsam zu begreifen und ich überredete Rolf schließlich, zu ihm kommen zu dürfen. 

„Ich weiß zwar nicht was ich hier mit dir anstellen soll, aber komm erst einmal, dann sehen wir weiter.“

 Ich besuchte ihn kurz darauf auf seiner Finca auf Mallorca, und nahm als einzige Angehörige an seinem Programm für Alkoholiker teil. Dort begann ich zu verstehen, warum all meine Versuche den Konsum meines Partners kontrollieren zu wollen, scheitern mussten und dass ich eine eigene „Baustelle“ hatte, die es nun aufzuräumen galt.

Rolf war schließlich derjenige, der mich ermutigte meine Erkenntnisse mit anderen Co´s, wie er Angehörige nannte, zu teilen. Zurück zu Hause begann ich mein Buch zu schreiben, mich für eine Ausbildung in der Schweiz anzumelden und mich beim Blauen Kreuz als Leitung einer Angehörigen Gruppe vorzustellen. 

Heute begleite ich Menschen dabei, sich aus ihrer Co-Abhängigkeit zu lösen, Klarheit zu gewinnen und wieder selbstbestimmt zu leben.

Schön, dass Du hier bist!

Julia

© 2022 by Julia Maria Kessler
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